Brasilien-Exkursion
Dreizehnlinden
Iguacu
Entre Rios
Rio de Janeiro

Ein Reisebericht von

Peter Leiter
Franz Perfler
Martin Schöpf


Die von den Absolventenverbände Lienz und Rotholz gemeinsam organisierte Reise führte 45 Teilnehmer, davon 20 Osttiroler, vom 16.-26. Oktober nach Brasilien. Die 70 Jahr-Feier der Tiroler Siedlung Dreizehnlinden, die berühmten Iguacu-Wasserfälle am Dreiländereck und Rio de Janeiro waren die Hauptziele unserer Exkursion im größten Land Südamerikas.


Tristach – Dreizehnlinden

Bevor wir alle mit guter Laune und Reisefieber am Donnerstag zu unserer langen Reise von Osttirol nach Dreizehnlinden aufbrachen, spendete der Tristacher Ortspfarrer Indrist noch den Reisesegen und wünschte alles Gute.
In St. Johann stießen die restlichen Nordtiroler Teilnehmer zu unserer Gruppe dazu. Von Salzburg ging es über Frankfurt nach Sao Paulo – zwölf Stunden und 9800 km mussten wir mit dem Flugzeug zurücklegen, um zur drittgrößten Stadt der Welt mit 18 Millionen Einwohnern zu gelangen. In Sao Paulo hatten wir fünf Stunden Wartezeit, bis wir weiter nach Curitiba fliegen konnten. Von dort ging es in weitere sieben Stunden mit dem Bus nach Dreizehnlinden, das wir am Abend erreichten. So waren wir nach einer Anreisezeit von 36 endlich an unserem ersten Reiseziel angekommen. Nur eine kurze Verschnaufpause war den mitgereisten Schattseitner Musikanten gegönnt, die am selben Abend beim „Musikantenstadl“ in Dreizehnlinden ihren ersten Auftritt hatten.
In den folgenden zwei Tagen hatten wir die Gelegenheit, Dreizehnlinden oder Treze Tilias – wie es in der Landessprache Portugiesisch heißt – kennen zu lernen. Dreizehnlinden hat 4.800 Einwohner und liegt auf 800 m Seehöhe im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina. Zwar bietet sich durch den Tiroler Baustil ein einheitliches Dorfbild, die Mehrzahl der Bevölkerung ist aber nicht Tiroler Abstimmung. Auch viele Italiener und andere Brasilianer haben hier ihre zweite Heimat gefunden. Der Ort hat ein aktives Vereinsleben, es gibt allein vier Tiroler Volkstanzgruppen und auch eine Musikkapelle in Tiroler Tracht.
Die jüngere Generation, Enkelkinder der einstigen österreichischen Auswanderer, beherrschen deutsch ausgezeichnet als Fremdsprache, die Umgangssprache unter jungen Menschen ist bereits portugiesisch.

Auf unserer Tour durch Dreizehnlinden besichtigten wir auch die Molkerei „Tirol“. 700.000 Liter Milch von 12000 Bauern werden täglich verarbeitet und 15 Milchprodukte produziert. Damit ist die Molkerei größer als die heimische Tirol Milch im Oberinntal. Kontingentierung gibt es keine und der Transport der Milch vom Bauern zur Molkerei wird von eigenen Unternehmern durchgeführt, weil die Molkerei selbst nur zwei eigene Milchtankwagen besitzt. Neben der Molkerei besichtigen wir auch den Betrieb der Familie Unterberger, einen Grünlandbetrieb im Vollerwerb, der 30 ha landschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet und ca. 30 Kühe im Offenfront-Stall hält. Im Winter fallen die Temperaturen in Dreizehnlinden eigentlich nie unter die Frostgrenze, im Sommer kann es in dieser Gegend bis zu 40 Grad heiß werden.
Ein Festumzug mit vielen Wägen und Gruppen war gleichzeitig das Ende der einwöchigen Feierlichkeitern zur Gründung der Tiroler Siedlung vor 70 Jahren. Das Konzert der Schattseitner Musikanten am Vorabend begeisterte 1.800 Brasilianer, die diesmal ausnahmsweise nicht Samba tanzten sondern auch zur flotten Tiroler Rhythmen fest das Tanzbein schwangen.

Dreizehnlinden - Entre Rios - Iguacu

Von Dreizehnlinden sind wir am Montag weiter 7 h nach Entre Rios gefahren, das in der Hochebene von Parana auf 1.100 m Seehöhe liegt. Mitte der 50er Jahre haben sich hier deutschsprachige Donauschwaben angesiedelt und betreiben erfolgreich Getreidewirtschaft. Entre Rios gilt als Kornkammer Brasiliens und besitzt auch die größte Mälzerei des Staates. Unter 250 ha gilt ein Betrieb nicht als überlebensfähig und teilweise müssen die Bauern 120 km Wegstrecke in eine Richtung auf sich nehmen, um zu ihren Ackerflächen zu gelangen.

Abends konnten wir uns in der Hotelbar in Guarapuava an den Klängen der eigens aus Osttirol eingeflogenen Schattseitner – Musikanten erfreuen. Dazu wurde von uns natürlich begeistert getanzt und gesungen. Sogar unsere Reiseführerin Anneliese aus Brasilien wurde mehrmals zum Tanz gebeten.

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Bus in einer 7-stündigen Fahrt von Guarapuava nach Foz do Iguacu. Neben der wunderbaren Landschaft mit gewaltigen Äckern, Weiden und Bracheflächen direkt nebeneinander wurde uns die Zeit durch einen brasilianischen Frühschoppen mit Caipirinha Willi Ploner verkürzt.

Foz bietet in unmittelbarer Nähe 2 überdimensionale Werke von Mensch und Natur. Mittwoch nachmitag besuchten wir das, mit einer geplanten Leistung von 12.600.000 kW (ein Viertel des Strombedarfs von Brasilien), noch größte Wasserkraftwerk der Welt – Itaipu ( bedeutet singender Fels). Hier wird der Parana-Fluß von einer fast 8 km breiten und bis zu 196 m hohen Staumauer zu einem See aufgestaut, der 3 mal so groß ist wie der Bodensee. Itaipu ist ein gemeinsames Projekt von Brasilien und Paraguay. Bei der Besichtigung der Staumauer befanden wir uns deshalb zeitweise in Paraguay.
Donnerstag und Freitag boten als Hauptziel die Iguacu-Fälle. Diese Wasserfälle sind breiter als die Victoriafälle und höher als die Niagarafälle. Sie sind 4 km breit und durchschnittlich 75 m hoch. Pro Sekunde fließen ca. 13.000 m³ über die Bruchstufe im Basalt in eine tiefgrüne Urwaldlandschaft. Wir konnten das einzigartige Naturschauspiel aus 4 Blickwinkeln beobachten. Einmal von einem Steg auf der Argentinischen Seite, einmal in einer Motorbootfahrt, einmal, wer wollte, vom Hubschrauber aus und einmal von der brasilianischen Seite. Am aufregendsten war sicher die Motorbootfahrt in der eine Gruppe im Motorboot viermal direkt in einen der Wasserfälle hineinfuhr - ein sehr nasses Erlebnis!

Wir besuchten wir auch einen Vogelpark, der eine Auswahl der verschiedensten Vogelarten aus der ganzen Welt zu bieten hat.


Rio de Janeiro

Spät am Abend kamen wir von Foz de Iguacu dann über Sao Paulo endlich in Rio de Janeiro an. Relindes, unsere Reiseleiterin für die nächsten zwei Tage, hieß uns bereits am Flughafen willkommen und gab uns erste Information über die zweitgrößte Stadt Brasiliens.

Natürlich war uns Rio vor unserer Ankunft nicht unbekannt. Zuckerhut, Christus-Statue (die übrigens auf dem Corcovado und nicht auf dem Zuckerhut steht), Copacabana, Karneval – wer kennt diese Wahrzeichen und Highlights nicht oder hatte nicht schon einmal davon gehört? Rio ist aber viel mehr als nur diese Sehenswürdigkeiten, Rio ist eine Stadt voller Leben und eine Metropole voller Gegensätze.

10 Millionen Einwohner leben hier dicht gedrängt in verschiedenen Stadtteilen, die teilweise durch Buchten und Berge getrennt und nur über Tunnelverbindungen erreichbar sind. Natürlich ist die überwiegende Anzahl der Carioca - so nennen sich die Einwohner von Rio - arm und die Armut durch die vielen Slums, die an den steilen Hängen errichtet worden sind, nicht zu übersehen. Unsere Reiseleiterin Relindes sagte, arm und reich brauche sich in Rio gegenseitig und deshalb sehe man das in hier ganz anders als einige der Touristen.

Neben den genannten Sehenswürdigkeiten besichtigten wir auch das Maracana-Stadion, die größte Fussballarena der Welt. 200 000 Fussballfans finden hier Platz, aufgrund strengerer Sicherheitsbestimmungen ist das Stadion aber „nur“ mehr auf 115 000 Sitzplätze zugelassen.

Nach zwei Tagen in Rio näherte sich unsere Reise langsam ihrem Ende. Bevor man sich zum Heimflug aufraffte, genoß der eine und andere noch ein paar Stunden an der berühmten Copacabana, dem 4 km langen, sichelförmigen Strand an einer der Buchten von Rio.

Nach dreizehn Stunden Flug von Rio über Frankfurt nach München kamen alle gesund aber doch sehr müde wieder Sonntag abend heim.

Es ist eine schöne Reise gewesen, eine Reise, die noch vielen lange in Erinnerung bleiben wird. Wir haben viele Eindrücke gewonnen, von denen wir lange noch zehren können und werden.. Brasilien ist ein wunderbares Reiseziel und wer weiß, vielleicht ist ja die 75 Jahr Feier von Dreizehnlinden in ein paar Jahren wieder ein willkommener Anlass, noch einmal diesen Kontinent voller Gegensätze zu besuchen.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei Peter Grünbichler für die perfekte Organisation im Vorfeld und unseren Reiseleitern Heike Messner und Markus Einhauer für die ausgezeichnete Reiseleitung danken! Muito bem!


Die Tres (Dois) Senors (portugiesisch)
oder
Tres (Dos) Hombres (spanisch)