Essen in einer globalen Welt

Ein Rückblick auf die Filmvorführung "Wee feed the World"
von Anna Steiner, Matrei

In den Bezirken Kufstein und Lienz wurde von der Meisterorganisation, in Zusammenarbeit mit dem Absolventenverband und der Jungbauernorganisation, der Film „We Feed the World“ gezeigt und darüber diskutiert.
“We Feed the World“ sollte Anlass sein, unser Einkaufsverhalten zu überdenken und die Zusammenhänge zwischen Erzeugung von Lebensmitteln und dem Essen auf dem eigenen Tisch kritisch zu hinterfragen.

Der Wiener Filmemacher Erwin Wagenhofer hat in Recherchen um die halbe Welt versucht, den Warenfluss der Lebensmittel sichtbar zu machen. Auf dem Wiener Naschmarkt hielt er eine saftige Tomate in der Hand. Bei der Rückverfolgung der Wege dieses Gemüses kam er nach Südspanien. Er kam in gigantische, künstlich bewässerte Glashausanlagen in Almeria. Diese Region ist so knapp an Wasser, dass jeder überlaufende Tropfen aus der Bewässerung der Pflanzen wieder aufgesammelt wird und nach einer Aufbereitung wieder in den Wasserkreislauf der Anlagen zurück gepumpt wird.
Die Tomatenplantagen werden von Immigranten aus Afrika bearbeitet, für die nicht einmal menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden. Die Leute verlassen ihre Heimat, in der Hoffnung auf bezahlte Arbeit. In ihren Herkunftsländern haben europäische und amerikanische Konzerne fast den gesamten Lebensmittelmarkt unter Kontrolle. So gibt es die exportgestützten Waren Europas billiger zu kaufen, als die dort angebauten heimischen Sorten.

Jeden Tag landet in Wien so viel Brot auf dem Müll, wie die Stadt Graz täglich braucht. Nicht etwa verdorbenes oder unbrauchbares Brot. Es ist die Ware, die höchsten zwei Tage alt ist und nicht mehr in den Regalen der Kaufhäuser angeboten werden kann. Entsorgt, um den Markt für Frischware nicht zu unterwandern.

Für den europäischen Markt bestimmt sind auch die riesigen Sojafelder in Brasilien. Gentechnisch vorbereitete Ware, die dem eingesetzten Spritzmittel resistent ist und daher als einzige Pflanze auf diesen Äckern leben kann. Die riesigen Mengen, die diesen Warenfluss ausmachen, sieht man als pausenlose Transportkolonnen von Lastern quer durch Brasilien zur nächsten Hafenstadt. Bestimmt ist das Soja einzig als Futtermittel der europäischen und amerikanischen Nutztiere.
Nebenbei verhungern die Besitzlosen dieses Landes, weil sie kein sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge haben, weil sie weder an gesunde Grundnahrungsmittel kommen, noch das Geld für eine anständige Lebenserhaltung auftreiben können.

Riesige, weite, ebene Felder prägen das Bild in Rumänien. Die globale Saatgutfirma Pioneer baut in diesem Land gute, drei- und sechsspurige Schnellstraßen als Gegendeal zu umfassenden Landverträgen. Reisenden fallen dort die einheimischen Pferdefuhrwerke auf der rechten Fahrspur auf. Mit Heu beladen, mit Getreide oder mit Gemüse sind sie unterwegs. Auf den Feldern wird von einigen Bauern noch herkömmliches Saatgut verwendet, aber viele setzen Hybridsaatgut der Firma Pioneer ein. Jedes Jahr müssen sie dieses Saatgut neu einkaufen, da diese hochgezüchteten Früchte zwar sehr schön und gleichmäßig aussehen, aber sich nicht mehr vermehren können.

„Nicht zum Essen, nur zum Verkaufen“ bezeichnen französische Fischer die Ware, die von den Fischfangflotten aus dem Meer geholt wird. Herr Wagenhofer begleitete einen traditionellen Fischer in den frühen Morgenstunden auf dem Weg zu seinem Fangplatz. Bei Tagesanbruch müssen die Fischer auf dem Meer sein, um die Netze auszuwerfen. Nur zur frühen Morgenstunde kann die Ausfahrt erfolgreich sein. Die EU schreibt ihnen vor, Standort und Fangmenge zu melden und genau aufzuzeichnen. Die Fischer fürchten um die Fangquote. Durch die genauen Daten erhalten vor allem die großen Fangkonzerne die Übersicht über lohnende Fischgründe und sind damit die schlimmsten Konkurrenten aller altgedienten Fischerfamilien. Die Meeresfrüchte, die in kleinen Mengen aus der See geholt werden, leben noch, wenn sie im Boot landen. Am frühen Vormittag sind sie in bester Qualität auf dem heimischen Fischmarkt zu finden. Fische, die mit riesigen Schleppnetzen gefangen werden, kommen erdrückt und gequetscht zur Weiterverarbeitung.

Die einzelnen Abschnitte dieses Filmes wurden vom UNO-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung, Jean Ziegler kommentiert: „Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“
Abschließend bekam man auch noch ein Interview mit dem Generalmanager von Nestle in der Schweiz geboten: Der gebürtige Villacher sagte, dass das Hauptinteresse eines Konzerns darin besteht, die eigenen Gewinne zu maximieren. Er nannte als eines der wichtigen, zukünftigen Ziele, dem Produkt Trinkwasser einen Preis zu geben. So wie man heute für Lebensmittel bezahlt, die zum globalen Geschäft geworden sind, so muss, nach Ansicht großer Konzerne, auch das Produkt Wasser einen Preis haben und der Gewinnmaximierung dienen.